Ich gebe zu: den meisten Crossover-Projekten, die Klassik mit moderner Musik verbinden, stehe ich eher skeptisch gegenüber. Sehr häufig scheinen mir die Konzepte wenig schlüssig, zu konstruiert und demonstrativ. Besonders kritisch werde ich, wenn klassisch ausgebildete Musiker sich an Pop oder gar Elektronik wagen, denn ich sehe oft den „akademischen Zeigefinger“.
Vorliegendes Projekt der Wiener Symphoniker ist ganz anders geartet. Denn sie machen gar nicht erst den Versuch, den Hörer mit hinlänglich bekannten klassischen Themen zu fangen. In vielen der sieben Titel, allesamt von den Wiener Klassikern Mozart, Haydn und Beethoven, dauert es selbst für Kenner eine geraume Zeit, bis sie die Melodien erkennen. Denn diese werden sehr geschickt in ein durchaus gelungenes elektronisches Korsett eingebaut, das bis auf wenige Ausnahmen der Konkurrenz bekannter DJs und Mixer standhält.
So erklingen Beethovens „Mondscheinsonate“ und „Albumblatt für Elise“ ebenso wie Mozarts „Kleine Nachtmusik“ in völlig neuer Umgebung, sie werden seziert, tranchiert, zerlegt und in spannende Elektro-Sounds eingebettet.
Ein ungewöhnliches Hörerlebnis mit meist ruhigen und dennoch spannungsgeladenen Momenten. Einzig Mozarts g-moll-Symphonie bekommt durch die lateinamerikanische Rhythmik und den spanischen Gesang eine mitreißende Note.
Berücksichtigt man auch die innovative Verpackung (siehe Detailansicht), so ergibt sich das Fazit: der relativ hohe Verkaufspreis wird durch ein hochwertiges Produkt in hochwertiger Optik absolut gerechtfertigt. So ist diese CDelicatesse ein fester Bestandteil in unserer Rubrik "außergewöhnliche CDs" - und sie ist ein enormer Verkaufserfolg geworden!
Gerhard Rühl, SHIROKKO MUSIK, Juli 2009
Vienna Symphonic Lounge
Hitsquad Records 2009, Laufzeit 52 Minuten
Titel:
[01] Beethoven : Albumblatt für Elise
[02] Beethoven :Mondscheinsonate
[03] Mozart : Sinfonie g-moll (KV 550),
[04] Haydn: Sinfonie No. 63
[05] Haydn: Adagio aus Violinkonzert No. 1
[06] Beethoven : Allegretto aus Sinfonie No. 7
[07] Mozart : Serenade KV 525 (Eine kleine Nachtmusik)